Ad fontes!

Dies ist der Beitrag zur Gründung 2012:

Die Finanzkrise, die im Jahr 2008 über die Welt hereinbrach, hat die Frage aufgeworfen, ob die neoklassische Methode der Ökonomik, die wirtschaftliche Zusammenhänge mit statistisch-mathematischen Methoden modellhaft analysieren und erklären will, versagt hat. Die darauf folgende Staatsschuldenkrise hat zudem die sehr fragliche Rolle der Staaten zutage gebracht, die versucht haben, durch Schulden Wachstum zu generieren. Kurz: Der Glaube an die Berechenbarkeit und die Beherrschbarkeit wirtschaftlicher Prozesse, mithin des Marktes, ist gehörig ins Wanken geraten.

Dass Mathematik und Statistik nur Hilfswissenschaften der Ökonomik sind, dass man den Markt überhaupt nur verstehen kann, wenn man sich mit dem Menschen beschäftigt, ist eine Erkenntnis, die bereits Adam Smith hatte. Der schottische Theoretiker des Marktes war ja in erster Linie Moralphilosoph, man würde heute sagen: Ethiker. Einige der wichtigsten ökonomischen Schulen der Neuzeit haben sich von dieser Erkenntnis ausgehend um eine umfassende Theorie des Marktes bemüht – eine, die auch soziologische, psychologische und historische Erkenntnisse mit einbezieht: Die von Ludwig von Mises gegründete Österreichische Schule, der Neoliberalismus Walter Euckens und Wilhelm Röpkes, die Denkschule Friedrich August von Hayeks und Karl Poppers und auch Wissenschaftler der Gegenwart wie James M. Buchanan oder Elinor Ostrom.

Deren Grundüberzeugung hat Hayek einmal in den Worten zusammengefasst: „Unter ‚sinnvoll gebrauchter Vernunft‘ verstehe ich eine Vernunft, die ihre eigenen Grenzen kennt und – selbst durch Vernunft unterwiesen – den Folgerungen der von Wirtschaftstheorie und Biologie verkündeten erstaunlichen Tatsache ins Auge blickt, dass eine ohne Entwurf entstandene Ordnung bei weitem die Pläne übertreffen kann, die Menschen bewusst ersinnen.“ (Die verhängnisvolle Anmaßung. Die Irrtümer des Sozialismus, Tübingen 1996, 4)

Bedauerlicherweise hat sich diese Erkenntnis in der deutschen Hochschullandschaft noch nicht durchgesetzt. Ganz im Gegenteil: fast alle wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten werden von Ökonometrikern beherrscht, also von Theoretikern der Machbarkeit und Berechenbarkeit.

Umso wichtiger ist es, Möglichkeiten zu schaffen, sich umfassender und intensiver mit dem Funktionieren des Marktes zu beschäftigen. Um dies zu tun, ist eine Stiftung, die Männer wie Ralf Dahrendorf und Otto Graf Lambsdorff zu ihren Vorsitzenden zählte, sicher ein besonders geeigneter Ort. Deshalb wurde im Herbst 2011 der Hayek-Kreis der FNF-Stipendiaten ins Leben gerufen. Er ist ein Forum, in dem sich die Stipendiaten mit den Ideen Hayeks und seines Umfelds auseinandersetzen und ihre Relevanz für den politischen Alltag des Liberalismus heute diskutieren. Ein Jahr später haben sich bereits 70 aktuelle und Alt-Stipendiaten bei den entsprechenden Gruppen auf StipNet und Facebook gesammelt. Für das kommende Frühjahr ist zur Zeit die erste gemeinsame Veranstaltung in Planung.

Die intensivere Beschäftigung mit grundlegenden theoretischen Grundlagen des Liberalismus lohnt sich immer für jeden. Daher: zurück zu den Quellen – ad fontes!

Quelle: freiraum 2/2012, S. 36.

5 Jahre Hayek-Kreis!

2018 feierten wir unser fünfjähriges, selbstständiges Bestehen mit über 40 Freunden, Stipendiaten und Altstipendiaten bei unserem Strukturtreffen im Prometheus-Büro. Anlässlich des Jubiläums erstellten wir zudem eine Festschrift, die ihr auf freiheit.org hier herunterladen könnt.

Unbenannt

Der Hayek-Kreis der FNF-Stipendiaten ist Teil des Students For Liberty Network.