Eindrücke vom „Gründungsseminar“ des Hayek-Kreises der FNF-Stipendiaten

Eineinhalb Jahre nach seiner Gründung hat der Hayek-Kreis der FNF-Stipendiaten sein erstes Seminar durchgeführt. Vom 19. bis 21. April standen in Erfurt  „Theoretische Grundlagen des Neoliberalismus“ auf dem Programm. Mit 18 Teilnehmern war das Seminar sehr gut besucht. Ein besonderer Dank gebührt dem FNF-Regionalbüro Mitteldeutschland, das uns tatkräftig unterstützt hat.

Am Freitagabend begann das Seminar mit einem Vortrag von Dr. Gérard Bökenkamp zum Thema „Der Neoliberalismus im Diskurs und der Realität der Wirtschaftspolitik“. Dabei ging es sowohl um die vielen, zum Teil abenteuerlichen, Fehlbezeichnungen und –interpretationen im Zusammenhang mit Neoliberalismus als auch um den Einfluss neoliberaler Ideen auf konkrete Wirtschaftspolitik. Bemerkenswert vor allem, wie selten wirtschaftspolitische Praxis mit der Theorie der Parteiprogramme korreliert: Es ist durchaus nicht ausgemacht, dass „bürgerlich“ geführte Regierungen notwendige Reformen durchführen. Nach seinem Vortrag stand Dr. Bökenkamp den Teilnehmern noch lange und ausführlich für interessante Gespräche zur Verfügung.

Der Samstag war ganz theoretischer Grundlagenarbeit gewidmet. Dr. Karen Horn, Leiterin des Berliner Think Tanks „Wert der Freiheit“, gewährte uns zunächst Einblicke in die Welt der Schottischen Aufklärung, die für viele neoliberale Theoretiker eine der wichtigsten Quellen ihres Denkens war: David Hume, Adam Smith, Adam Ferguson und viele andere wurden in einem in die Tiefe gehenden Überblick vorgestellt. Anschließend machte uns Prof. Hans-Jörg Hennecke von der Universität Rostock mit der schillernden und vielseitigen Figur Wilhelm Röpke vertraut. Gerade die Einordnung in seinen zeitgeschichtlichen Kontext trug dazu bei, diesen originellen Denker besser zu verstehen. In der Mittagspause führte uns ein Historiker der Uni Erfurt durch die Stadt und insbesondere durch die Zitadelle.

Mit Walter Eucken wurde am Nachmittag ein weiterer bedeutender Vater des Neoliberalismus und im Besonderen der Sozialen Marktwirtschaft von Dr. Horn lebhaft vorgestellt. Seine für die Nachkriegszeit und Ludwig Erhard so essentiellen wirtschaftspolitischen Vorschläge fanden ebenso Eingang in den Vortrag wie seine beständige Warnung vor Machtakkumulation. Friedrich August von Hayek war Gegenstand des letzten Vortrags. Mit Prof. Hennecke, der die maßgebliche Hayek-Biographie in deutscher Sprache verfasst hat, hatten wir einen herausragenden Experten für diesen Vortrag gewinnen können. Er führte uns auf einer Reise durch die verschiedenen Gebiete, die Hayek bearbeitet hat: von der Wirtschaftsordnung bis zur Erkenntnistheorie, von der Frage nach der richtigen Verfassung bis zur Idee der kulturellen Evolution.

Den Sonntagmorgen begannen wir mit einem kurzen Strukturtreffen des Hayek-Kreises, auf dem beschlossen wurde, das nächste Seminar im November in Frankfurt a. M. abzuhalten. Grundsätzlich haben wir festgehalten, dass wir jedes halbe Jahr ein Seminar durchführen wollen: im Frühjahr jeweils eines mit theoretischen Schwerpunkten und im Herbst eines, das sich eher praktischen bzw. Anwendungs-Fragen widmet. Für unser Herbst-Seminar in Frankfurt haben wir uns für das Thema „Migration“ entschieden.

Abschließend gab uns Dr. Horn in einem anregenden und zugleich kritischen Vortrag über die Zukunft neoliberaler Ideen viele Impulse zum Nachdenken und Diskutieren. So widmete sich die Abschlussdiskussion auch besonders der Frage, wie die Kerngedanken des Neoliberalismus heute noch fruchtbar gemacht werden können.

Das erste Seminar des Hayek-Kreises war ein Riesenerfolg! Unser Dank gilt ganz besonders den Referenten, die durch ihren Einsatz maßgeblich zum Gelingen des Seminars beigetragen haben: durch Ihre ausgezeichneten Vorträge, die auch für Laien gut verständlich waren, ebenso wie durch ihre Bereitschaft, sich auch weit über die Seminarzeiten hinweg lebhaften Diskussionen zu stellen. Und natürlich danken wir auch besonders den Teilnehmern, die zum Teil weite Anreisen auf sich genommen haben, um mit uns zusammen über den Neoliberalismus zu lernen und zu diskutieren. Wir freuen uns schon sehr auf das Herbst-Seminar!

Florian Hartjen und Clemens Schneider für den Hayek-Kreis der FNF-Stipendiaten

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Die Seminarteilnehmer während der Stadtführung